Fjord

Design at work!

Wir sehen uns nicht als gewöhnliches Architekturbüro. Und was genau unsere Arbeits- und Vorgehensweise so besonders macht, zeigt das Fallbeispiel Fjord.

Fotos: Debora Mittelstaedt
Warum Fjord ein Büro haben wollte, das kein Büro ist. Ein Audiointerview mit Michel Tofahrn, Service Design Lead, Fjord
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Digitale Innovationen zum Leben erwecken und dadurch die Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt verbessern: Dieser Aufgabe stellt sich Fjord Tag für Tag! An 15 Standorten weltweit entwickeln die Mitarbeiter des Accenture-Tochterunternehmens Ideen und Konzepte für ihre Kunden. Das rasante Wachstum der Firma und der Wunsch nach einer Bürogestaltung, die ihre Identität nicht nur widerspiegelt, sondern auch weiterentwickelt, brachte Fjord zu uns. Unsere Herangehensweise umfasste im ersten Schritt eine genaue Analyse der Arbeitsprozesse. Für uns zählt nur die Betrachtung des großen Ganzen – und dazu gehören auch die Prozesse hinter den Kulissen, die wir jedes Mal aufs Neue zu verstehen versuchen. Mittels Workshops untersuchten wir im Vorfeld Probleme, Wünsche und Vorstellungen von Fjord und entwickelten daraus die zu bearbeitenden Themenfelder. Das Resultat ist ein Büro, das keine Schablonenlösung anbietet, sondern einen architektonischen Rahmen schafft – für mehr Flexibilität und Kreativität.

Drei mal drei

Die wichtigsten Themen bei der Büroplanung für Fjord

Flexibilität

Wie erzeugt man Mobilität am Arbeitsplatz?

Die Teams, die bei Fjord zusammenarbeiten, können monatlich, wöchentlich oder gar täglich wechseln. Jedes Projekt verlangt nach neuen Konstellationen. Das bedeutet: Nicht nur die Mitarbeiter und ihre Einstellung, sondern auch Architektur und Möbel müssen flexibel sein.

Freiräume

Wie lässt man Visionen entstehen?

Fjord verlangte nach dem größtmöglichen Freiraum für seine Mitarbeiter. Das Büro sollte einer unbeschriebenen, weißen Leinwand gleichen, auf der Gedanken, Konzepte und Visionen schnell festgehalten, aber auch genauso schnell wieder weggewischt werden können.

Food

Wie bringt man alle Mitarbeiter an einen Tisch?

Gute Ernährung und Arbeit sind nicht immer in Einklang zu bringen. Doch bei Fjord spielt beides traditionell eine große Rolle – vor allem zur Förderung der Gemeinschaft. Eine Küche sollte her, die gleichzeitig auch ein Ort für Veranstaltungen, Meetings und reguläre Büroarbeit sein kann.

Wir benötigten ein neues Büro, weil uns der Platz ausging und wir uns im gleichen Atemzug einen größere Spielwiese für unsere Arbeit wünschten.
Andrew Beckley, Principal Director, EALA Design Strategy, Fjord

Kran und Rollen

Garanten für Flexibilität

3​,20 Meter! Das ist der Radius des Krans, den wir im Rahmen der Gestaltung des Berliner Fjord-Hauptquartiers entwickelten. Strom- und Netzwerkkabel kommen, wie bei einer Dusche, von oben herab und gewährleisten dank des manuell bedienbaren Schwenkmechanismus eine ungeahnte Flexibilität bei der Raumnutzung. Das ist Strom für alle.

Der Ausleger des Krans wird über einen Spanndraht, der über die Flansche gespannt ist, gehalten.
Mit 40 Millimetern Durchmesser ist das Edelstahlrohr für bis zu acht Kabel ausgelegt.
Der schmale Flansch aus Stahlblech dient der Aufhängung und bildet gleichzeitig den Zapfen für eine Art Angelschnur.
Durch das aufgeschweißte, mit Leder umwickelte Griffrohr aus Vollstahl lässt sich der Ausleger bewegen.

Tische und Stühle reihen sich in das sportliche Raumkonzept ein: Sie stehen auf Rollen und können samt Rechnern und Kabeln für verschieden große Gruppen individuell zusammengestellt, oder der jeweiligen Prozessstufe angepasst werden.

Flexibilität war ein entscheidender Punkt. Bei uns wird  in Gruppen gearbeitet – und diese wechseln oft ihre Zusammensetzung. Es war also wichtig, dass das Mobiliar diese Veränderung mitmachen konnte.
Andrew Beckley, Principal Director, EALA Design Strategy, Fjord

Die Whiteboards

Ideen sammeln: unbegrenzt und überall

Fjord suchte nach einer Lösung für bessere Gruppenarbeit und einen schnellen Austausch von Ideen. Mit dem großflächigen Einsatz von Whiteboards an fast allen Wänden der neuen Büroräume konnten wir genau das gewährleisten. Sie machen umherfliegende Papiere, Schränke und überquellende Mülleimer überflüssig und sind dadurch das perfekte Gegenstück zur digitalen Spielwiese, die sonst von Fjord behaust wird. Und sie bieten eine angenehme Abwechslung zur Bildschirmwelt. Bei Fjord haben wir 185 Quadratmeter Whiteboard-Fläche installiert, was in etwa 45 Tischtennisplatten entspricht. Genutzt wird jeder Zentimeter!

Ideen im Raum

Whiteboards haben eine Eigenschaft, die sie von allen anderen Bürowerkzeugen abgrenzt: Sie machen Ideen, Gedanken und Visionen in unserer Arbeitswelt sichtbar.

Teamarbeit total

Whiteboards hängen meist an den Wänden, sind stets präsent und verschaffen dadurch bei Meetings und in Gruppensituationen einen idealen Überblick für alle.

Papierlos arbeiten

Whiteboards bedeuten: Kein Papier, keine Aktenordner und kein Stauraum! Damit leeren sie radikal unsere Büros. Und schaffen geistige Freiräume.

Wir sind immer auf der Suche nach der einen, der einzigen Möglichkeit. Es darf keine Zweite geben!
Martin Jacobs, CEO Kinzo

Die Küche

Ein Raum, in dem nicht nur gekocht wird

Die Küche spielt traditionell eine wichtige Rolle bei Fjord. Seit den frühen Anfängen der Agentur wird einmal in der Woche gemeinsam gefrühstückt und Mittag gegessen. Aber der Ort ist noch viel mehr als das: Er ist ein Treffpunkt für die Mitarbeiter und Schauplatz von wichtigen Meetings und Workshops. Damit steht der Raum für Kommunikation schlechthin. Mit einem einzigen, 9 Meter langen Tisch haben wir der Küche ein zentrales und solitäres Element hinzugefügt, das in seiner Funktion äußerst wandelbar ist. Hier finden alle 40 Mitarbeiter Platz zum Essen – es kann aber auch gearbeitet werden. Dafür sorgt die glatte Oberfläche des Tisches. Und wer weder schlemmen noch arbeiten will, der kann sich in der Bibliothek satt lesen, die den Koch- und Essbereich umschließt.

Meetings

Meetings können bei Fjord überall stattfinden. Neben den regulären Arbeitsplätzen warten hölzerne und innen schallgedämmte Boxen, von den Mitarbeitern liebevoll „Fabriken“ getauft, ein immer leerer Ashram und die Küche, die gleichzeitig auch Bibliothek ist, auf Besprechungen aller Art.

Bibliothek

Dass die hauseigene Bibliothek mit dem Koch- und Essbereich fusioniert wurde, hat seine Gründe: Wir wollten die klassische Trennung zwischen den Raumfunktionen aufheben und damit Barrieren entfernen, die dem Austausch von Ideen im Weg stehen.

Community

Gekocht wird hier fast immer. Meistens bereiten die Mitarbeiter Gerichte aus ihrer Heimat zu, so dass das Essen zu einer kulinarischen, aber auch sehr persönlichen Reise wird. Und einmal im Monat kommt ein älterer Herr aus der Nachbarschaft, von den Mitarbeitern „Büro-Opi“ getauft, kocht herzhafte Gerichte und erzählt vom Kiez und seiner Geschichte. Die Küche ist ein Ort für die Gemeinschaft. Und die geht über die Bürogrenzen hinaus.

Wie es sich bei Fjord anhört? Audioimpression der Küche zur Mittagszeit.
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Kinzo und Küchen

Ein Interview mit Karim El-Ishmawi zur Rolle von Koch- und Essbereichen im Büro.

Küchen spielen in der modernen Bürowelt eine weitaus größere Rolle als sie es noch vor einigen Jahren taten. Zwar hat sich ihr Äußeres kaum verändert, aber ihre Bedeutung hat sich zweifelsohne den neuen gesellschaftlichen Bedürfnissen angepasst.

Welche Rolle spielt das Wohlfühlen am Arbeitsplatz?

Das Thema ist auf jeden Fall stärker in den Fokus gerückt als noch vor 20 Jahren. Da spielt die Vermischung von Arbeitsleben und Privatheit eine wichtige Rolle, genauso wie das steigende Bewusstsein, dass es eine Wahl geben muss. Man hat nur das eine Leben, und das sollte auch am Arbeitsplatz positiv gestaltet werden.

Wie wirkt sich das auf die Küche in unseren Arbeitsstätten aus?

Ein Bürotag funktioniert im Prinzip wie eine WG-Party: Man schwärmt aus zum Tanzen, Trinken und Knutschen – und dann geht man wieder in die Küche um sich auszutauschen und Nachschub zu holen. Deswegen ist dort immer am meisten los! Und das spiegelt sich nun vermehrt in der Gestaltung und Architektur moderner Arbeitswelten wider. Es ist ein multifunktionaler Ort, der wie kein anderer im Büro für Kommunikation steht.

Was ist eure Herangehensweise bei der Gestaltung einer Büroküche?

Der Mensch ist von Natur aus faul und will sich nicht bewegen. Man muss ihn also motivieren, um ihn aus seinem Stuhl vom Arbeitsplatz weg zu bekommen. Die Küche besitzt, wenn man sie noch etwas anreichert, eine große Anziehungskraft und kann die Mitarbeiter zusammenführen. Genau deshalb spielt die Küche in unseren Planungen eine zentrale Rolle.

Was kann die Küche für Firmen bedeuten?

Hier wird eine Identität generiert, die sich – unabhängig von der Marke selber – über die Unternehmenskultur und die Gemeinschaft definiert. Interessant ist die Verknüpfung solch individuell entwickelter Räume und den relativ standardisierten Arbeitsplätzen. Unser Ziel ist es immer, ein strategisches Netzwerk zu errichten, in dem die Arbeitsabläufe am besten umgesetzt werden können – und das in einem gestalteten Raum.

Die Küche ist das Zentrum unseres Büros. Wie in einem guten Zuhause, wo der Esstisch einer der Orte ist, an denen man sich am liebsten aufhält.
Sandra Fieber, Marketing & Program Management Lead, Fjord

Das Ergebnis

Out of office – Viel Freiraum für Fjord

Chaos ist bei Fjord Teil der Arbeitskultur und der Denkprozesse. Wir haben das schnell verstanden und der Agentur daher kein architektonisches Korsett angelegt. Vielmehr schufen wir eine flexible Struktur, die den Mitarbeitern genau den Gestaltungsfreiraum bietet, den sie im Arbeitsalltag benötigen.

Was sich verändert hat? Unsere Kunden sind zwar nicht mehr geschockt, dafür umso mehr fasziniert. Wir mussten den Zugang zum Büro limitieren, denn sie wollten alle gar nicht mehr weg!
Andrew Beckley, Principal Director, EALA Design Strategy, Fjord