Das Nationalmuseum in Bischkek, Kirgisistan

Goldene Schatzkammer

Bauen im Bestand, Bischkek, 2018
/Museum /Kulturbau
„Dieses Projekt war ein Abenteuer“, sagt Chris Middleton, Gründungspartner von Kinzo Architekten Berlin – und meint damit mehr als die 5.000 Kilometer zwischen Berlin und Bischkek.

Denn mitten im Zentrum der kirgisischen Hauptstadt steht ein Gebäude, das Berliner sofort erkennen werden: das Kirgisische Nationalmuseum. Ein monumentales Gebäude des sozialistischen Modernismus, 1986 eröffnet, aus Marmor, Glas und klarer Geometrie. Und erstaunlich nah am Palast der Republik.

Für Kinzo fühlt sich das weniger wie ein Zufall an, sondern eher wie ein Wiedersehen. Die Agentur hat eine besondere Beziehung zum Palais de la République, da das Kinzo-Team dort 2005 die Abschlussparty organisierte, bevor es schließlich abgerissen wurde.

„Es ist erstaunlich, bis in die Details hinein ist vieles identisch“, sagt Chris. „Die Fensterrahmen, die Treppen, die Handläufe.“

Links: Der Palast der Republik, 2005 I Rechts: Nationalmuseum Bischkek, 2017

Plus: Die Ostmoderne prägt die Arbeit des Büros seit seiner Gründung – schon die ersten eigenen Büroräume lagen in einem hybriden Bau gegenüber des Alexanderplatzes.

Was Kinzo an diesen Bauten fasziniert, ist ihre Haltung: Architektur als Ort für die Gemeinschaft. Nutzungsmischung nicht als Trend, sondern als Prinzip. Genau diese Qualität besitzt das Nationalmuseum in Bischkek – mit offenen, lichtdurchfluteten Etagen und einem spektakulären Treppenhaus mit goldener riesiger Kassettendecke als räumlichem Mittelpunkt.
Die Aufgabe: das ehemalige Lenin‑Museum in ein offenes Museum für nationale Geschichte zu transformieren. Kinzo sanierte den rund 4.000 Quadratmeter großen Bau behutsam, erneuerte die Fassade, ergänzte einen goldfarbenen Sonnenschutz und entwickelte ein barrierefreies Erschließungssystem aus Rampen, Brücken und Aufzügen.
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Innen wurde der Bestand freigelegt, zoniert und akustisch optimiert – immer mit Blick auf die User Journey.

Gold ist dabei mehr als ein Material: Für Kinzo ist das Haus der goldene Schatz Kirgisistans. Ein Bau, der Geschichte zeigt, Begegnung ermöglicht – und beweist, dass Berliner Architekturhaltung auch international funktioniert.
Fotos: ©Chris Bierl ©Jan Blieske
Jahr 2018
Kunde Ala-Too-Platz, Bischkek, Kirgisistan
Architektur Bestand: Ostmoderne, 1986, brutalistischer Monumentalbau
BGF 4.000 qm
Typologie Bauen im Bestand, Museum, Kulturbau
Leistung Sanierung, Umbau, Interior Design (LPH 1-3 + KOL)